Patch Management

Grundlagen des Patch-Managements für einen effektiven Patching-Prozess

Patch-Management für Software und Firmware schließt Sicherheitslücken in Programmen und schützt so vor Cyberangriffen. Unternehmen sind zunehmend auch gesetzlich verpflichtet, bestimmte Standards für die Cybersicherheit einzuhalten. Das gilt sowohl für interne Abläufe als auch für die Produkte: Im Zuge des Cyber Resilience Acts (CRA) müssen Hersteller von Artikeln mit digitalen Elementen künftig unverzüglich, kostenlos und mit Hinweisen versehene Patches liefern. Erfahren Sie hier mehr über die Grundlagen des Patch-Managements und wie es sich effizient einsetzen und skalieren lässt.  

Definition: Was ist ein Patch und was ist Patching?

Ein Patch ist per Definition eine Software-Aktualisierung, die Programmfehler behebt, Sicherheitslücken schließt oder Funktionen nachrüstet. Der Begriff stammt aus dem Englischen und bedeutet Pflaster. Schon in den Anfangszeiten der Datenverarbeitung mithilfe von Lochkarten dienten physische Patches zum Zukleben einzelner Löcher. 

Was sind Patches im digitalen Zeitalter? Mit ihrer Hilfe lassen sich auch heute Fehler ausbessern, ohne ganze Programme neu ausrollen zu müssen. Patches löschen und ersetzen Dateien einer bestimmten Software nach der Markteinführung oder ändern den Quellcode des Programmes.  

Es gibt vier unterschiedliche Typen von Patches:  

  • Bugfixes beheben technische Fehler im Quellcode des Programms.  
  • Hotfixes oder Critical-Patch-Updates beseitigen umgehend kritische Fehler im Programm.  
  • Sicherheitspatches schließen Sicherheitslücken. 
  • Updates erweitern die Funktionen eines Programmes oder bereinigen Fehler.  

Und was ist Patchen? Nichts anderes als die Anwendung verfügbarer Patches. Häufig kommen sie in Paketen, wie beispielsweise die Service Packs für Windows-Aktualisierungen von Microsoft. Anbieter rollen Software-Patches gelegentlich ohne explizite Hinweise für die Benutzer aus oder deklarieren sie als notwendige Updates.  

Was ist Patch-Management?

Patch-Management ist das strategische Steuern und Ausspielen von Patches für mehr Funktionalität, Sicherheit und Leistung. Es umfasst die systematische Beschaffung, Planung und Durchführung verfügbarer Updates für Applikationen, Treiber, Software und Geräte. Als integraler Teil des System- und Schwachstellenmanagements hilft das Patch-Management dabei, Fehlfunktionen zu vermeiden, die Leistung von Anwendungen zu optimieren und erfolgreiche Cyberangriffe zu verhindern. 

Im Unternehmensalltag gilt es außerdem, das Gleichgewicht zwischen Sicherheitsfragen und anderen betrieblichen Anforderungen zu wahren. Denn nicht nur Hackerangriffe, auch Patching kann Arbeitsabläufe stören und Ausfallzeiten verursachen. Erfolgreiches Patch-Management reduziert Störungen und Ausfälle auf ein Minimum, indem es die Updates im Sinne des „managed Patching“ systematisch bereitstellt.  

Warum ist Patch-Management wichtig?

Patch-Management etabliert einen zentralisierten Ablauf für den Einsatz von Patches und ist wichtig für Compliance, Sicherheit und Leistung: 

  1. Compliance: Die Gefahr von Cyberangriffen wächst ständig und die Gesetzgebung passt sich dieser Entwicklung an. Unternehmen sind zunehmend rechtlich dazu verpflichtet, bestimmte Standards und Vorschriften für die Cybersicherheit einzuhalten. Patch-Management kann ihnen dabei helfen. Insbesondere im aktuellen Vorschlag für den Cyber Resilience Act (CRA) spielt das Patch-Management eine wichtige Rolle für die Compliance bestimmter Produkte. 
  2. Sicherheit: Patch-Management reduziert das Risiko für Cyberangriffe für Unternehmen, indem es Schwachstellen in der Software und ihren Anwendungen behebt. Hacker greifen häufig bewusst Assets an, die nicht gepatcht sind. Ein vorhandenes Patch nicht zu installieren, kann Unternehmen also besonders anfällig für Cyberattacken machen.
  3. Leistung und Produktivität: Patch-Management unterstützt die Leistungsfähigkeit von Programmen und dadurch die Produktivität von Unternehmen auf mehrere Arten: Es stellt sicher, dass die Software und Anwendungen auf dem neuesten Stand sind und reibungslos laufen. Über Feature-Updates verbessern und erweitern einige Patches auch Funktionen der Software. Außerdem können Unternehmen über gezieltes Patch-Management kritische Aktualisierungen priorisieren und Ausfallzeiten minimieren. All diese Punkte zusammen sorgen für eine höhere Systemverfügbarkeit und verbessern so die Produktivität.  

Welche wichtigen Elemente hat ein Patch-Management-Prozess?

In Unternehmen erfordert Patch-Management einen detaillierten, strategischen Prozess, der im Wesentlichen folgende Schritte umfasst:  

1. Asset-Management und Asset-Standardisierung 

Damit IT- und Sicherheitsteams den notwendigen Überblick haben, erstellen sie zunächst ein Verzeichnis von allen Assets innerhalb des Netzwerks. Dazu gehören Anwendungen von Drittanbietern, Betriebssysteme, Versionstypen, mobile Geräte, IP-Adressen sowie Remote- und lokale Endpunkte. Die Standardisierung der Assets auf ausgewählte Systeme und Versionen erleichtert die notwendige Pflege des Inventars und macht das Patching schneller und effizienter. Auch für das IoT-Update-Management ist sorgfältiges Asset-Management unabdingbar.  

2. Identifikation von Schwachstellen und Patch-Monitoring 

Sobald der Bestand erfasst ist, lassen sich Schwachstellen, der aktuelle Patch-Status von Anlagen und verfügbare Patches identifizieren. Software von Patch-Management hilft dabei, die Risiken zu erkennen und zu bestimmen, welche Assets für ein Unternehmen kritisch sind.  

3. Patching priorisieren 

Eine der wichtigsten Methoden für effektives Patch-Management ist die Priorisierung wichtiger Patches. IT- und Sicherheitsteams informieren sich beispielsweise über Bedrohungsdaten-Feeds über kritische Sicherheitslücken. So können Sie diese zuerst schließen, das Netz dadurch effizient schützen und Ausfallzeiten minimieren, die das Patching verursachen kann.  

4. Patches Testen 

Tests haben für das Patching eine große Bedeutung. Die Updates können schlichtweg unwirksam sein, Integrationen unterbrechen, andere Probleme verursachen oder sogar selbst das Problem sein: Nämlich dann, wenn Cyberkriminelle ihre Ransomware als legitimes Patch tarnen, wie beispielsweise 2021 bei der VSA-Software des IT-Anbieters Kaseya. Mit Tests, Stichproben und Stresstests vor der Installation stellen IT-Teams sicher, dass Patches keine Probleme im gesamten Netz verursachen.  

5. Patch-Bereitstellung und Monitoring 

Wer Patches für die IT eines Unternehmens managet, muss sie anwenden. Dabei spielen der Zeitpunkt sowie die Art und Weise der Bereitstellung eine Rolle. Dafür treffen Sicherheitsteams wichtige strategische Entscheidungen für ihr Patch-Management: Häufig ist es sinnvoll, Patches in Abwesenheit möglichst vieler Mitarbeitender, für kleinere Gruppen, einzelne Anlagen und für homogene Chargen von Assets durchzuführen. Sobald das Patching abgeschlossen ist, stehen eine finale Prüfung und die weitere Beobachtung an. So stellen Unternehmen sicher, dass der Prozess auch wirklich erfolgreich war. 

6. Dokumentation und Automatisierung von Patching-Prozessen 

Eine systematische Dokumentation des Patching-Prozesses ist häufig allein für die Compliance notwendig. Sie umfasst das Bestandsverzeichnis, Testergebnisse, die Resultate der Bereitstellung und alle noch zu patchenden Assets. Das hilft im Gegenzug dabei, den Überblick über das Inventar und das Patch-Management zu behalten. Auch Software für Patch-Management erleichtert die verschiedenen Schritte: Sie scannt Systeme nach benötigten Patches ab und kann sie automatisch verteilen.  

Wie können Unternehmen einen Patch-Management-Prozess einführen?

Patch-Management bildet einen wichtigen Bestandteil des System- und Schwachstellenmanagements. Es betrifft in der Regel viele Bereiche und Abläufe eines Unternehmens und soll diese gleichzeitig möglichst wenig stören. Das gelingt mit folgenden Schritten:  

  1. Asset-Management einrichten. Beachten Sie die bereits genannten Schritte für das Asset-Management. Je besser Sie Ihre Assets kennen, desto besser können sie Risiken reduzieren.
  2. Schwachstellen priorisieren. Zeit und Ressourcen sind begrenzt, die Bedrohungslage wächst und verändert sich ständig. Sie werden kaum jede erkannte Schwachstelle sofort beheben können. Deshalb hat die Priorisierung von Patches so große Bedeutung für das Schwachstellen- und Patch-Management. 
  3. Kritische Schwachstellen beseitigen und Risiko verringern. Sind Schwachstellen identifiziert und priorisiert, geht es an ihre Beseitigung.
  4. Resultate dokumentieren und Erfolge messen. Erfolgreiches Patch-Management erfüllt die spezifischen Anforderungen Ihres Unternehmens und bietet einen Mehrwert. Etablieren Sie Parameter, um Aufwand, Kosten und Erfolge zu messen.
  5. Setzen Sie auf Partner und lassen Sie sich unterstützen. Bringen Sie frühzeitig in Erfahrung, wer Ihnen zuverlässig helfen kann, wenn etwas schiefgeht, oder engagieren Sie von Anfang an einen Managed Service Provider (MSP) für das gesamte Patch-Management.  

Wie kann Patch-Management-Software helfen?

Mit Hilfe von Patch-Management-Software können Unternehmen einen Großteil der erforderlichen Prozesse automatisieren und optimieren. Das Programm überprüft eigenständig, ob Patches für einzelne Assets fehlen oder verfügbar sind. Patch-Management-Software kann verfügbare Updates außerdem automatisch oder nach festgelegten Vorgaben installieren.  

All diese Schritte müssen die Mitarbeitenden demnach nicht mehr manuell erledigen. Zusätzlich vermeidet die Automatisierung über eine Patch-Management-Software, dass kritische Patches übersehen, vergessen oder aus Zeitmangel nicht installiert werden. Manche Programme eignen sich auch für Tests oder die Dokumentation und können Systeme sogar wiederherstellen, wenn das Patching zu Fehlfunktionen führt.  

Patch-Management-Tools sind häufig Teil einer größeren Lösung für die Cybersicherheit. Sie finden sich beispielsweise in Lösungen für Schwachstellen- und Angriffsflächenmanagement oder in EDR-Tools (Endpoint Detection and Response). Auch über UEM-Plattformen (Unified Endpoint Management) lassen sich Patches bereitstellen. 

Zusammenfassung

Was bedeutet effektives Patchen also? Ein Patch behebt grundsätzlich Fehler und Lücken in Programmen und sorgt so für eine bessere Funktionalität und besseren Schutz vor Cyberangriffen. Für Unternehmen geht es aus rechtlichen, und wirtschaftlichen Gründen sowie wegen der schieren Anzahl von Assets im eigenen System darum, Patches möglichst konsequent und systematisch anzuwenden. Patch-Management hilft dabei, die dafür notwendigen Prozesse zu strukturieren und zu automatisieren. Dabei sorgt es nicht nur für mehr Sicherheit, sondern auch für gut funktionierende Systeme, eine höhere Produktivität und mehr Compliance 

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist Patch-Management?  

Patch-Management analysiert, priorisiert, dokumentiert und automatisiert die Steuerung und die Anwendung von Patches. Hierfür werden Patches für Software, Applikationen, Treiber und Geräte systematisch beschafft, durchgeführt und verwaltet. Patch-Management bildet Teil des Schwachstellenmanagements und verhindert Fehlfunktionen, verbessert die Leistung von Anwendungen und verhindert erfolgreiche Cyberangriffe. 

Was ist ein Patch?  

Ein Patch aktualisiert Software, indem es Programmfehler beseitigt, Sicherheitslücken schließt oder neue Funktionen ergänzt. Mit der Hilfe von Patches lassen sich Fehler ausbessern, ohne ganze Programme neu ausrollen zu müssen.  

Wie können Patches vor der Bereitstellung getestet werden?

Tests in Laborumgebung, Stichproben und Stresstests vor der Installation helfen dabei sicherzustellen, dass Patches keine Probleme oder Fehlfunktionen bei Geräten oder im gesamten Netz verursachen. 

Wie oft sollten Patches angewandt werden?  

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfiehlt, IT-Systeme und Software regelmäßig zu aktualisieren und Patches kurz nach der Veröffentlichung einzuspielen. Das gilt besonders für kritische Patches, die sogenannten Hotfixes.  

Wie wählt man die richtige Patch-Management-Software aus?

Achten Sie darauf, dass die Software mit Ihren Systemen kompatibel ist und die gewünschten Funktionen bietet. Dazu gehören mindestens Patch-Scanning und die Erkennung von Sicherheitslücken. Auch die Möglichkeiten für Automatisierung, Tests und das Monitoring der Software müssen die Anforderungen Ihres Unternehmens erfüllen. Eine benutzerfreundliche Oberfläche sowie Support vom Hersteller zahlen sich langfristig aus.  

Welche Software und Geräte brauchen Patch-Management?

Besonders wichtig sind Patches für Betriebssysteme wie Mac, Windows, Linux, iOS oder Android. Prinzipiell gilt aber: Jedes Programm und jedes Gerät, das sich mit dem Internet verbinden lässt, braucht Patch-Management.  

Wie können Sie die Ausfallzeiten während der Anwendung von Patches minimieren?

Wenn Sie Patches zum richtigen Zeitpunkt und auf die passende Art und Weise ausspielen, können Sie Ausfallzeiten minimieren. Das kann beispielsweise bedeuten, dass Sie Patches nur für einzelne Anlagen, für bestimmte Geräte- oder Nutzergruppen oder außerhalb der Arbeitszeit für die Belegschaft anwenden.